Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

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rstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Dieses Sprichwort sollte Realität werden für einen Personenschützer im Jahr 2002.

Das komplette Team steckte bis über beide Ohren in den Vorbereitungen für den Personenschutz der Frau eines Staatspräsidenten aus der arabischen Welt. Entsprechend waren alle involviert und arbeiteten auf Hochtouren für die Schutzperson, aber auch an der erweiterten Sicherungsmaßnahmen (Aufklärung, Absprache mit der Polizei und den Behörden, etc). Alle wollten gut vorbereitet sein, denn letztendlich ging es auch um einen guten Zweck, denn die Schutzperson war Gast der bekanntesten Charity-Veranstaltung in Deutschland.

Mitten in diesen Vorbereitungen kam ein weiterer Auftrag für die gleiche Veranstaltung, ähnlicher Bekanntheitsgrad nur aus einer anderen Branche. Ein Sänger, der nach jahrelanger Abstinenz in Deutschland wieder auftreten sollte, wollte auch Sicherheits-Service haben. Sein Konzert sollte der Haupt Showact des Abends und gleichzeitig eine Überraschung für alle werden. Es war also top secret, nur die wenigsten waren eingeweiht.

„Männer, wer kennt die Musik? Wer übernimmt den Auftrag?“, fragte der Einsatzleiter.
3… 2… 1… meins, dachte sich der Personenschutz, meldete sich und hatte somit den Auftrag.
„Gut, Du hast den Auftrag, aber Du machst ihn alleine, ich brauch die anderen Mitarbeiter für den Hauptauftrag“, fügte der Einsatzleiter hinzu.

Nun, man wächst an seinen Herausforderungen, dachte sich der Personenschutz und ließ sich davon nicht beirren.

Doch all die Anstrengungen und Mühen, die er alleine auf sich nahm (Aufklärung, Begleitung, Service, etc.), waren es wert. Als die Schutzperson und Personenschutz, völlig inkognito, im Café auf der Flaniermeile der Stadt saßen, genoßen sie nicht nur den Kaffee in der noch warmen Herbstsonne, sondern auch den Luxus, den viele Promis nicht haben, nämlich Ruhe, Entspannung und Nichtbeachtung.

Weiterhin sollten die Schutzperson und der Personenschutz ein kleines Schauspiel geboten bekommen. Über Funk konnte der Personenschutz die Kollegen hören und wußte, dass sie in der Nähe waren. Es dauerte nicht lange, da sahen Schutzperson und Personenschutz das andere Team auch: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, umrahmt von ihrer Entourage, versuchte die Dame den Medienrummel, der um ihre Person stattfand, standzuhalten.

Amüsiert sah sich die Schutzperson das Spektakel an und war sehr dankbar, dass beide völlig unerkannt mit Sonnenbrillen und Baseball Caps, wie zwei Touristen beim Shoppen wirkten, die eine kleine Pause einlegten.

Niemand hätte gedacht, dass hier der eigentliche Star des Abends saß.

Somit konnte er völlig erholt und tiefenentspannt aus den Vollen schöpfen und einen grandiosen Auftritt hinlegen. Die Überraschung war perfekt und die Performance Weltklasse. Es war ihm ein leichtes, den Medienrummel, der sich mittags noch um jemand anderen drehte, in seinen Bann zu ziehen.

Denn das Beste kommt bekanntlich zum Schluß….

(c) RH

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